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Am 21. September 1987 hat die Welt einen großen Musiker verloren. Greg und Rory Pastorius haben ihren Bruder verloren, und ich einen großen Freund. An den Folgen der sinnlosen Schläge eines Macho von Clubmanager gestorben, hat er uns verlassen, um in jene ewige Band einzutreten.

Ein persönlicher Lebensabriss von Aspen Pittmann
 

Jaco war ein großartiger Mensch, er war immer lustig und für jeden Spaß zu haben. Er war ein großer Sportfan und hat mich einfach in allem geschlagen, vom Basketball bis zum Tischtennis. Seine Energie war umwerfend und schier unerschöpflich. Als Komponist, Arrangeur und Musiker gehörte er zur Weltklasse, und er hat viel erreicht in diesem kurzen Leben.

John Francis Pastorius wurde am 1. Dezember 1951 als Sohn eines Jazzdrummers namens Jack Pastorius in Pennsylvania geboren. Seine Familie nannte ihn Jacko. 1959, Jacko war damals 7, zogen sie nach Fort Lauderville. Es war eine katholische Familie, aber Jacko war anders. Im Haus war immer Musik, aber Jacko fand Sport viel interessanter. Und so war es auch seine Sportkarriere, die ihn auf indirektem Weg zum Bassspielen brachte.

Am Anfang war er Drummer in einer Band namens The Las Olas Brass. Das Geld für das Drum-Set hatte er sich durch Zeitungaustragen verdient. Mit dreizehn Jahren brach er sich dann allerdings beim Fußball das Handgelenk; Schlagzeug konnte er fortan nicht mehr spielen. Zur gleichen Zeit verließ damals der Bassist die Band. Er "hielt es nicht mehr aus in diesem Land", so hat Jaco einmal erzählt, "weil sie alle ständig high oder besoffen waren - außer mir. Ich habe mich da immer raus gehalten." Zwei Wochen später spielte Jacko den Bass - sogar besser als sein Vorgänger. Er war Autodidakt, und Anregungen für sein Bassspiel bezog er daraus, von einem alten Kinderplattenspieler, den er einmal in einem Rice-Krispies-Wettbewerb gewonnen hatte, Musik zu hören. Den Bass brachte das Gerät allerdings nicht rüber, nur den Gesang und das Saxophon, das die Melodie spielte, und so imitierte er einfach das, was er hörte. Jaco sagte später immer, er hätte nie geübt, aber das stimmt nicht ganz; sein Bruder Greg erzahlt: "Alle saßen sie um den Fernseher herum, nur Jaco stand immer genau davor, mit dem Bass in der Hand, und seine langen, gelenkigen Finger flogen über das Griffbrett rauf und runter ... er war immer auf Trab."

Nachdem Jacko 1969 die High School erfolgreich abgeschlossen hatte - er war zum begabtesten Schüler der Klasse gewählt worden -, machte er sich in den Clubs in Südflorida einen Namen. Er spielte mit Bands wie Wayne Cochran and the C. C. Riders und dem Peter-Graves-Orchestra. Er wandelte die Schreibung seines Namens um in Jaco - "vielleicht, um ihn ein bisschen geheimnisvoller zu machen," so sein Bruder Greg. Er hat sich nie nach den Erwartungen anderer gerichtet. Aus dem E-Bass, der bislang als reines Rhythmusinstrument galt, machte er ein Leadinstrument, spielte Melodien mit ihm, wie er sie auf seinem Kinderplattenspieler gehört hatte. Und er war ein begabter Komponist. "Er war ein absoluter Trendsetter auf dem Gebiet des E-Basses," betonte der Bandleader Peter Graves. "Jeder, der nach ihm E-Bass spielt, muss sich irgendwie auf ihn beziehen." Er war kontaktfreudig, manchmal sogar übermütig, und wirkte ermutigend auf andere Musiker. Er war außerdem sehr spirituell und führte lange philosophische Gespräche mit Freunden; Jaco glaubte, dass sein Talent gottgegeben war.

Obwohl Jaco im wesentlichen Autodidakt war, studierte er ein paar Semester an der Universität Miami; es dauerte nicht lange, und er unterrichtete selbst E-Bass. Zu seinen Klassenkameraden gehörten Pat Metheny, Steve Morse und der Pianist Mike Gerber. "Als ich Jaco kennenlernte und mit ihm in Ft. Lauderdale arbeitete, war er absolut clean und nahm überhaupt keine Drogen", sagte Whit Sidener, ein Jazzlehrer an der Universität Miami, der in den frühen 70ern mit Jaco Saxophon spielte. "Er lachte die Leute immer aus, wenn sie tranken", erinnerte sich Randy Bernsen.

1976 kam der Durchbruch für Jaco: Er tourte mit Blood, Sweat and Tears. Er machte Plattenaufnahmen mit Joni Mitchell. Er veröffentlichte sein eigenes Album, ’Jaco Pastorius’, nur mit eigenen Kompositionen und wurde für zwei Grammies nominiert. Er ging mit Herbie Hancock auf Tour und dann zu Weather Report, jener Fusion-Band, durch die er am berühmtesten wurde. Die Arbeit mit Weather Report brachte ihm denn auch einen weiteren Grammy ein. Jaco blieb fünf Jahre bei Weather Report, durch seine Hilfe hat die Band ganz neue Dimensionen des Fusion erreicht. Keine andere Hervorbringung der Fusion-Ära hatte eine ähnliche Wirkung wie Weather Report. Als Jaco die Band 1982 verließ, bedeutete das für sie den Verlust der treibenden Kraft, die sie zum ‘Kochen’ gebracht hatte, und die sie meiner Meinung nach nie wieder zurückerlangt hat.

Es war in dieser Zeit, als ich Jaco kennenlernte. Ich war damals Marketingmanager bei Acoustic und für die Entwicklung neuer Produkte sowie für Beziehungen zu Künstlern verantwortlich. Jaco hatte seit eh und je einen Fender Jazz Bass und einen Acoustic 360 Bass Amp, und obwohl er immer wieder Endorsement-Deals angeboten bekommen hatte, ist er nie umgestiegen. Acoustic hatte damals gerade die Produktion des 360 eingestellt und den 370 auf den Markt gebracht, Jaco mochte ihn aber nicht, und so begannen wir, an einem neuen System, dem 320/408 zu arbeiten. Aber obwohl ihm dieses System gefiel und er es auf einigen Touren einsetzte, stand er doch nie ohne seinen 360 auf der Bühne und benutzte beide für verschiedene Effekte während der Show. Jaco war sehr eigen, was Endorsements anbelangte, er hat es nie nur des Geldes wegen gemacht, sondern nur, wenn er wirklich hinter der Sache stand. Er hatte außerdem eine Abneigung gegen den Hype im Business. Er bestimmte, welche Fotos veröffentlicht wurden (bzw. versuchte es) und gab nur sehr selten Interviews. Als er Endorser für Acoustic war, gab er sein erstes Interview überhaupt, und zwar aus moralischen Gründen. Er war aufrichtig dankbar dafür, dass sein alter 360er Amp schon so lange ohne Probleme gelaufen war und es ihm ermöglicht hatte, Tracy, seine erste Frau, und seine Kinder zu versorgen, und so schien es ihm geboten, Acoustic seinerseits einmal einen Gefallen zu tun. Er arbeitete dann zusammen mit unseren Ingenieuren und Designern an der Entwicklung neuer Produkte.

Was er allerdings gar nicht mochte, waren die Photosessions. Ich kann mich erinnern, dass, als er sich bereit erklärt hatte, unsere Amps zu endorsen, wir eine Menge Photographen beauftragt hatten, ihn für ein Poster und für Anzeigen zu fotografieren, er dann aber nicht mit den Bildern einverstanden war. Stattdessen machte er einen schwedischen Fotografen ausfindig, der auf Jacos letzter Europatournee Bilder von ihm geschossen hatte, und bestand darauf, dass wir eins von diesen Fotos nahmen. Zwei überflüssige Fotosessions, geplatzte Termine bei etlichen Magazinen - und das alles nur, weil Jaco einen Fotografen haben wollte, den er für einen wirklichen Künstler hielt. Die Buchhalter meiner Firma machten gerade keine freundlichen Gesichter dazu, aber das war mir egal. Jaco hatte recht, die anderen Bilder waren viel besser; und wenn man auch nichtmal die Amps darauf sehen konnte, diese Bilder waren einfach Kunst.

Jaco war in allem so. Er trieb einen an, mehr zu leisten, nur um mit ihm Schritt halten zu können. Er konnte diskutieren über Musik, Kunst, Autos, Leute ... aber immer mit Intensität, immer bis zum Extrem. Alles, was er tat, sollte so gut wie nur möglich sein, und dieser Anspruch übertrug sich auf jeden, mit dem er zusammen war - ob man zusammen Musik machte, Sport trieb oder einfach zusammen lebte. Und wenn es auch einige Leute gab, die mit dieser Intensität nicht zurechtkamen - der Sache gereichte es immer zum Besseren. Ich war bei vielen von Jacos Aufnahmesessions mit Weather Report und Joni Mitchell dabei, Jaco nahm dann immer wie selbstverständlich die Dinge in die Hand. Allein durch seine Intensität brachte er die Musiker dazu, sich anzustrengen. Und wenn die Spannung dann ihren Höhepunkt erreicht hatte, war es wiederum Jaco, der die Situation entkrampfte und die Leute zum Lachen brachte. Er konnte einen wirklich auf Touren bringen und auch wieder Ruhe vermitteln. Mit Jaco wurde es nie langweilig. "Jaco ist einer dieser Ausnahmemusiker," hat Joni Mitchell, die ja lange Zeit mit Jaco zusammengearbeitet hat, einmal in einem Interview gesagt. "Selbst wenn es verrückt schien, was er tat, hast du mitgemacht, nur um zu sehen, was passiert. Nur durch diese Art von ihm kam das ’Mingus’-Album zustande."

Da Jaco vielfach auch als ’co-producer’ tätig war (mit und auch ohne Credits), übernahm er auch für seine eigenen Aufgaben fast immer selbst die Verantwortung, egal mit wem er spielte. Eine Eigenart, die sich durch sein gesamtes musikalisches Schaffen hindurchzieht. Da ich mehrmals die Möglichkeit hatte, Weather Report auf ihren Tourneen zu begleiten, lernte ich Jaco gut kennen. Er begegnete mir stets mit Wärme und Respekt, verschonte mich mit ‘Rockstar-Allüren’, wenn er auch häufig und mit aller Ernsthaftigkeit behauptete, der beste Bassist auf der ganzen Welt zu sein. Dem konnte ich nicht widersprechen, wahrscheinlich hatte er recht. In den folgenden Jahren sollten ihn zwei nahmhafte Zeitschriften zum Bassisten Nr. 1 wählen. Und 1981 sollte er von Japans führender Jazz-Zeitschrift zum Musiker des Jahres erkoren werden.

In den frühen 80ern gründete Jaco die Word Of Mouth Band und brachte ein Studioalbum mit eben diesem Namen heraus. Später machte er zwei Livealben mit der Band; als Namensgeber beider Platten - ’Twins One’ und ’Twins Two’ - hatten wohl seine Zwillingssöhne Felix und Julius von seiner zweiten Frau Ingrid fungiert. Die Word Of Mouth Band war mein persönlicher Favorit unter all den Bands, mit denen ich ihn spielen sah. Es war wirklich Jacos Band. Er hat sie zusammengebracht, die Musik für sie geschrieben, und es irgendwie geschafft, eine Big Band knapp und dicht ertönen zu lassen. Die Musiker bei Word Of Mouth waren die allerbesten: Peter Erskine an den Drums, Herbie Hancock am Piano (nur auf Platte, nicht bei den Liveauftritten), Wayne Shorter, Michael Brecker,Toots Thielemans, Hubert Laws, Don Alias und viele andere. Ich werde nie vergessen, wie ich diese Band live im Dorothy Chandler Pavilion in LA spielen hörte. Eine fünfzehnköpfige Horn-Section, Steel Drums, Harmonica (von keinem geringeren als Toots Thielmans gespielt), und absolut keine Gitarre und kein Keyboard. Diese Band lässt absolut keinen Zweifel an Jacos Kompositions- und Produktionstalent. Bleibt nur das Bedauern darüber, dass die Band in diesem Lande nie die Anerkennung bekam, wie sie ihr in Japan zuteil wurde.

Seine ganze Karriere hindurch ist Jaco ein echter Musiker geblieben, der, wann immer er dazu aufgefordert wurde, von einem Moment auf den anderen auf die Bühne sprang und losjammte - vorausgesetzt, er mochte die Band. Wo immer Musik war, da war auch Jaco. Er konnte fast jedes Instrument spielen. Als er mich eines abends besuchte, war er so von einer Mandoline, die ich hatte, angetan, dass er schließlich stundenlang darauf spielte, während ich ihn auf der akustischen Gitarre begleitete. Er spielte wirklich gut und ich fragte ihn anschließend, wie lange er denn schon spiele, da antwortete er "das war das erste Mal." Ich erinnere mich an eine NAMM-Show in Anaheim; Jaco war auch gekommen, um unser neues Bass System 320/408 zu promoten, und erfuhr, dass Peter Erskine nebenan Promotion für Slingerland Drums machte. Wenige Minuten später hatten die beiden ein Drum-Set auf unserem Stand aufgebaut und hoben zu einem dreißigminütigen Jam bei voller Lautstärke an. Keiner dachte mehr an die Show - die Leute drängten sich um unseren Stand, so weit ich sehen konnte; alle rockten sie zum Sound dieser beiden Jungs. So etwas hatte es in den heiligen Hallen der NAMM-Show noch nie gegeben, und es hat sich bis heute nicht wiederholt. Im folgenden Jahr hatte die Messeleitung Grenzwerte für den Geräuschpegel festgelegt, und so ist es seitdem immer hübsch leise auf der NAMM-Show gewesen ...

Jaco war schon in jungen Jahren berühmt - und auch in seinem Falle blieben die damit verbundenen Probleme nicht aus. Ständig auf Tour, die Nervereien mit dem Zoll, und ein paar Stunden später schon wieder auf der Bühne stehen, viele freundliche Leute, die aber keine wirklichen Freunde sind oder die Familie ersetzen könnten, die Einsamkeit eines Hotelzimmers, und die vielleicht frustrierendste Sache ... dass seine Bedeutung als Neuerer des elektrischen Basses in seinem eigenen Land nicht recht anerkannt wurde. Als Jaco zu Weather Report kam, trank er immer noch nicht und nahm auch keine Drogen. Er fand, das würde nur sein Spiel beeinträchtigen. Schließlich fing er aber doch an, und Jaco war kein guter Trinker. Manche Stories über seine Eskapaden waren bald populärer als seine Konzerte. 1982 stürzte Jaco vom Balkon eines Hotels in Italien; dabei zog er sich so einen komplizierten Armbruch zu, dass eine Eisenplatte eingesetzt werden musste. Er stritt es immer ab, Probleme mit dem Alkohol zu haben. Darauf angesprochen, pflegte er zu sagen: "Ich präsentiere mich ständig der Öffentlichkeit, in einer Woche reise ich mehr herum als ein Durchschnittsmensch in seinem ganzen Leben. Ich brauche nur zu niesen, und schon heißt es, ich nehme Kokain. Ich bin weder Alkoholiker noch bin ich drogensüchtig. Ich bin Musiker."

Ein so großartiger Musiker Jaco auch war, so ist er doch nie mit jenem Fluch fertig geworden, der über seinem Talent lag. Erst vor ein paar Jahren hat ein Arzt ihm erklärt, er wäre schon sein ganzes Leben lang manisch depressiv, und dass zyklisch auftretende Höhepunkte seiner Gehirnaktivitat die Ursache für seine kreative Kraft seien. Der Arzt verschrieb ihm Tegretol; Jaco stellte die Einnahme des Anti-Depressivums jedoch bald ein, da er fürchtete, dadurch seine Leidenschaft fürs Spielen zu verlieren. Ich erinnere mich, wie Jaco 1985 nach LA kam, um mir bei einer Musikshow zu helfen, er war gerade aus einem Detox-Center gekommen. Es war die Zeit, in der er dieses Medikament gegen Depressionen nahm, und obwohl er technisch sehr gut spielte, fehlte ihm doch jegliche Kreativität. So sehr ich es auch respektierte, dass er versuchte, sein Leben in den Griff zu bekommen, vermisste ich doch den alten Jaco, der so viel mehr Leben in sich hatte. Jaco hörte dann bald auf, Tegretol zu nehmen, und er wurde wieder ganz der alte, nur mit seinem Lebensstil ging es bergab.

Die letzten Jahre waren traurige Jahre für Jaco, er hat nur noch wenig gespielt oder aufgenommen. Er machte ein Album mit Steel Drums, sein Titel war ’Holiday For Pans’ - allerdings konnte er kein größeres Label dafür gewinnen, denn obwohl es ein wirklich gutes Album war, traute niemand Jaco zu, dass er auf Tour gehen, oder das Album promoten würde. In New York City kam es dann noch härter: wegen seiner gesteigerten Erregbarkeit wollte niemand mehr mit ihm zu tun haben, und so verbrachte er oft die Nacht auf einer Parkbank - betrunken und gebrochen. Der dunkle Schleier lüftete sich etwas, als Jaco Anfang diesen Jahres nach Florida zu seinen Freunden und seiner Familie zurückkehrte. Jaco hatte Drogen und Alkohol abgeschworen und versuchte neuerlich, wieder ein normales Leben zu führen. Er spielte ein paarmal mit seinem alten Freund Randy Bernsen und sie sprachen davon, gemeinsam eine Platte zu machen. Aber dann kam Jaco wieder ins Rutschen. Das erste Mal war er einen Tag lang betrunken, beim nächsten Mal waren es zwei Tage. Danach war alles schon vorbei. Sein Bruder Greg sagte: "Ich war absolut zuversichtlich, was war bloß passiert? Ich glaube, das weiß nur Jaco."

Am 12. September um 4.20 Uhr verweigerte man Jaco den Eintritt in den Midnight Bottle Club in Wilton Manors. Als er begann, gegen die Tür zu treten, wurde er von Clubmanager Luke Havan, der den schwarzen Gürtel in Karate hat, brutal zusammengeschlagen. Obwohl Jaco sich schon nicht mehr wehren konnte, schlug Havan immer weiter in sein Gesicht, und während einige Zeugen versuchten einzuschreiten, hörte er immer noch nicht auf, obwohl Jaco bereits bewusstlos am Boden lag. Havan ging dann einfach weg, und Jaco lag so mehr als vier Stunden auf der Straße in einer Blutlache, bis ihn endlich jemand ins Hospital brachte. Jaco hatte einen Schädelbruch erlitten, die Gesichtsknochen waren gebrochen und er hatte eine Lungenentzündung. Sein Gesicht war so bis zur Unkenntlichkeit geschwollen, dass seine Mutter es nicht ertragen konnte, ihn zu sehen. Jaco kam nicht wieder zu Bewusstsein; er lag neun Tage im Koma und ist am Montag, den 21. September 1987, um 22.00 Uhr gestorben.

Jaco steht am Ende einer langen Reihe glückloser Genies, die von Mozart über Charlie Parker bis zu Jimi Hendrix führt. Jaco hat immer gesagt, dass, als Charlie Parker es mit dem Heroin schließlich drangab, es seinen Tod bedeutete: Der Jazzgigant ist wenige Monate danach gestorben, Ich denke, Jaco sah genau die Ähnlichkeiten und schlug genau den gleichen Weg ein. Jaco lachte immer darüber, wenn man ihm sagte, er sei selbstzerstörerisch. Er sagte: "Die Leute kommen und sagen, ich wäre selbstzerstörerisch und so. Aber ich bin nicht selbstzerstörerisch. Ich bin kein Alkoholiker, ich bin nicht drogenabhängig, ich bin ein Party-er. Ich packe die Gelegenheiten am Schopf."

Ich bin überzeugt, dass Jaco noch sehr viel mehr Musik in sich hatte. Seine ganze Familie, sämtliche Freunde - alle haben sie in den letzten Jahren versucht Jaco zu helfen, aber es reichte nicht aus. Jaco hat sich immer weiter von uns allen entfernt, und jetzt ist er tot. Was geblieben ist, ist seine Musik, und sie wird noch viele Jahre im Wirken von Komponisten und Musikern fortleben. Die Welt wird ihn vermissen und in Erinnerung behalten - den Musiker Jaco Pastorius. Auch ich werde nie seine Musik vergessen, am meisten werde ich aber den Menschen Jaco vermissen, denn Jaco Pastorius gab es nur einmal auf dieser Welt. So oft ich auch schon geweint habe, seit Jaco gestorben ist, so ist doch immer auch ein Lächeln geblieben. Jaco hat es immer verstanden, mich zum Lachen zu bringen, und ich hoffe, er lacht jetzt auch.
 

PS: Mein Dank geht an Michael Knuckles (Jacos langjähriger Freund und Manager) und Greg Pastorius (Jacos Bruder), die mir dabei geholfen haben, einen wahrhaftigen Abriss von Jacos Leben zu geben.

 

Dieser Artikel erschien in der Dezember-Ausgabe 1987 des "Fachblattes", einer führenden deutschen Musikerzeitschrift.

 

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